{"id":127,"date":"2008-11-29T13:27:20","date_gmt":"2008-11-29T13:27:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vocsbox.ch\/wordpress\/?p=127"},"modified":"2021-02-01T10:15:59","modified_gmt":"2021-02-01T09:15:59","slug":"zwischen-besinnlichkeit-und-spektakel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vocsbox.ch\/index.php\/2008\/11\/29\/zwischen-besinnlichkeit-und-spektakel\/","title":{"rendered":"Zwischen Besinnlichkeit und Spektakel"},"content":{"rendered":"\n<pre class=\"wp-block-verse\">B\u00fcndner Tagblatt, 29.11.08&nbsp;<\/pre>\n\n\n\n<p><strong>Vielf\u00e4ltige Eindr\u00fccke: Die szenische Kantate &#171;Hochzeit von Kana&#187; feierte am Donnerstag Premiere in der Martinskirche in Chur.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Konzertbesucher wurden vor Konzertbeginn mit projizierten pulsierenden Spiralfiguren in psychedelischen Farben und einem irritierenden Tonmix von sakraler und moderner Musik empfangen. Aufw\u00fchlend und mit vielen Eindr\u00fccken beladen gestaltete sich auch die darauf folgende Auff\u00fchrung der szenischen Kantate &#171;Hochzeit von Kana&#187;. Einiges blieb nebul\u00f6s, nicht nur wegen des von Zeit zu Zeit eingesetzten &#171;Disco-Nebels&#187;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Liebe als zentrales Motiv<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn schreckt der B\u00fcndner Bariton Michael Berndonner alias Johannes das Publikum mit einem Urschrei auf: &#171;You didn&#8217;t tell the truth&#8230;&#187;, ruft er sodann in den Raum. Wer ist der hinters Licht gef\u00fchrte Johannes? Vielleicht das Alter Ego des Initianten und Autors Arno Schocher, der durch eine Vision in der australischen W\u00fcste zum Text inspiriert wurde. Johannes heisst auch der Schreiber des Evangeliums, worin die &#171;Hochzeit von Kana&#187; geschildert wird. Aber vielleicht ist Johannes auch einfach ich und du. Die Gespr\u00e4chspartnerin von Johannes ist die (weibliche) g\u00f6ttliche Weisheit Sophia, dargestellt von der S\u00e4ngerin Annette Labusch. Sie lehrt Johannes, dass es im Leben eigentlich um die Liebe ginge. Die Botschaft, gegen die nichts einzuwenden ist, kommt im Text etwas holprig, stilistisch uneinheitlich und zuweilen mit konstruiert anmutenden Bildern daher. Englisch und Deutsch, hochtrabende S\u00e4tze in altbackenem Stil und moderne Anglizismen bilden eine Collage, die kaum in einem dramaturgischen Konzept aufgeht. Der B\u00fcndner Schauspieler und Regisseur Ren\u00e9 Schnoz hatte bei der szenischen Umsetzung somit keine leichte Aufgabe. Dass die Inszenierung trotzdem gut herauskam, spricht f\u00fcr Schnoz. Zusammen mit dem in Chur geborenen Komponisten Marco Sch\u00e4dler, der auch gleich die Orgel bediente, gelang es ihm, insbesondere mit Mitteln der Ironie, dem Libretto Konturen zu verschaffen. Sch\u00e4dlers Musik ist zwar ebenfalls heterogen, allerdings schuf er fliessende \u00dcberg\u00e4nge zwischen den Stilrichtungen und liess sie auch als Abbild einer inhaltlichen Auseinandersetzung erkennen. Sehr gelungen war zudem die Tanzperformance, die in anschaulichen Bildern zu den Zuschauern sprach (Irina Cannabona, Ronny Kistler und Tanzsch\u00fclerinnen).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Abrupte Stilwechsel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die musikalische Leitung zeichnet Harri Bl\u00e4si verantwortlich, der auch den Chor Vocs Box einstudiert hatte. Dieser meisterte die Klippen der abrupten Stilwechsel gut. Auch die mit einem Bl\u00e4ser\u00fcbergewicht besetzte Kammerphilharmonie Graub\u00fcnden wirkte allzeit souver\u00e4n. Neben den bereits erw\u00e4hnten S\u00e4ngern ist als Komtur Daniel Leo Meier zu h\u00f6ren. Die S\u00e4nger \u00fcberzeugten sowohl stimmlich wie darstellerisch. K\u00f6stlich die Faxen des Komturs, als er das Volk mit Ritualen, Regeln und Zerstreuung einlullte. Maria (Patricia Pasquale) und Jesus (Gabriel Crucitti) wurde kein Gesangspart zugeteilt. Der erst 1992 geborene Jesusdarsteller verlieh Jesus eine warme und sanftm\u00fctige Ausstrahlung. Die J\u00fcngsten waren aber vier etwa 8-j\u00e4hrige M\u00e4dchen, die auch sprechen und singen mussten &#8211; Hut ab!<br>Phasenweise waren so viele T\u00f6ne und Bilder zu verarbeiten, dass eine gewisse Reiz\u00fcberflutung den besinnlichen Aspekt \u00fcberdeckte. Das mutige Projekt verdient aber insgesamt gute Noten. Die Beteiligten waren mit Herz bei der Sache, und es entstand ein buntes und unterhaltsames Produkt, das auch ein klassikfernes Publikum anspricht und, last but not least, zum Nachdenken anregt.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Carlo K\u00f6hl<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00fcndner Tagblatt, 29.11.08&nbsp; Vielf\u00e4ltige Eindr\u00fccke: Die szenische Kantate &#171;Hochzeit von Kana&#187; feierte am Donnerstag Premiere in der Martinskirche in Chur. Die Konzertbesucher wurden vor Konzertbeginn mit projizierten pulsierenden Spiralfiguren in psychedelischen Farben und einem irritierenden Tonmix von sakraler und moderner Musik empfangen. 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